Tag der offenen Tür an der Universität des Südpazifik: Eine Parade und viele, viele Inseltänze

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Am vergangenen Freitag war Open Day an unserer Universität. Ein Tag, an dem die Uni sich interessierten Schülerinnen und Schülern vorstellt, sich selbst feiert und vor allem ein Tag, an dem sich die Studierenden von einer ganz anderen Seite gezeigt haben. Die Schüchternheit und die Zurückhaltung, die sonst im Alltag Mass aller Dinge zu sein scheint und der wir oft in unseren Tutorien begegnen, war verschwunden. Statt dessen war viel Begeisterung zu spüren, und das schon um 8 Uhr morgens! Dann nämlich begann das offizielle Programm mit einer Parade quer die Stadt, für die die Studierenden, organisiert nach ihren unterschiedlichen Herkunftsländern, Wagen gestaltet hatten. Morten und ich durften unsere richterlichen Fähigkeiten erproben und als Teil einer Jury Preise an die besten drei Wagen vergeben – das war ein Spass! Ich habe mir für diesen speziellen Tag ein typisches Vanuatu-Insel-Kleid einer Bekannten leihen dürfen und sah daher original aus wie ein riesiges Vanuatu-Rüschen-Bonbon, habe aber viele Komplimente für mein schickes Outfit eingeheimst. Das Gute am Richterdasein war unter anderem, dass die Studierenden ihre Festwagen der Jury erklären bzw. präsentieren mussten, wodurch wir interessante Details über die jeweilige traditionelle Landeskleidung oder etwa die Bedeutung einer bestimmten gewebten Matte erfahren konnten (die ich mir aber wohl gleich hätte aufschreiben muessen, bei den zwölf an der Uni vertretenen Ländern schwirrte mir am Ende etwas der Kopf…). Die Studierenden sind zum Teil wirklich auf kreative Ideen gekommen oder haben jedenfalls auf charmante Weise zu suggieren versucht, dass ein bestimmtes Gestaltungsdetail aber auf jeden Fall das Motto “Shaping your future” perfekt zum Ausdruck brächte. Aber macht Euch selbst ein Bild! Wer wäre bei Euch auf dem 1. Platz gelandet?

Danach gab es noch einen Moot Court (knapp umschrieben: eine simulierte Gerichtsverhandlung), der hier in einem speziell eingerichteten Raum abgehalten werden kann. Ein Luxus, den nicht einmal besonders viele juristische Fakultäten in Deutschland vorweisen können! Natürlich gab es auch wieder viele Stände mit allerlei Essen – Independence Week lässt grüssen…

Der Tag endete mit einer gut dreistündigen Tanz-Show, in der die verschiedenen Länder allesamt traditionelle Tänze aufführten, wenn zum Teil auch zu eher moderner Musik. Dem immer wieder einsetzenden Regen trotzend war auch hier die Stimmung hervorragend und spätestens jetzt war es auch bei dem letzten mit irgendeiner Art eventuell noch vorhandener Zurückhaltung vorbei. So gesellten sich regelmässig spontan Menschen aus dem Publikum zu den Tänzern, ganz gleich, ob sie den Tanz kannten oder nicht – hauptsache, mit Spass dabei. Die Tänze waren für mich allesamt unbekannt und haben mich total fasziniert und mitgerissen. Die Tanzkultur aus 12 Ländern ohne die oftmals unvermeidliche Touristen-Brille erleben zu koennen, ist wirklich ein einmaliges Privileg. Die oftmals jedenfalls in Vanuatu nach aussen etwas biedere Kultur, in der man darauf bedacht ist, Schulter und Knie zu bedecken und die Interaktion zwischen Männern und Frauen immer noch eher angestreng und unter Beobachtung verläuft, wurde ergänzt um eine weitere, bunte, wild tanzende und hüpfende Facette (und längst nicht alle hatten überhaupt besonders viel Kleidung an…). Bemerkenswert ist auch, dass die Bewahrung des eigenen “kulturellen Erbes”, wie es immer so schön gewichtig heisst, im gesamten Südpazifikraum augenscheinlich eine enorm grosse Rolle spielt. Hätte ich traditionell deutsche Kleidung oder Kultur präsentieren sollen, ich wäre in Schwierigkeiten gekommen. Ein Dirndl habe ich zwar, seit wir im Rahmen eines Völkerrechtswettbewerbs in Washington an einem “Ball der Kulturen” teilgenommen haben. Ob aber der Schürze oder einer bestimmten Stickerei eine Bedeutung zukommt, ob in dem Dirndl auch eine “Geschichte” steckt? Ich vermag es nicht zu beantworten. Und von volkstümlichen Tänzen wollen wir gar nicht erst anfangen…

Aber im Moment geht es ja auch darum, möglichst viel von der hiesigen Kultur aufzusaugen. Festzuhalten ist jedenfalls, dass immer, wenn man gerade denkt, man hätte jetzt verstanden, wie es “hier läuft”, wieder alles über den Haufen geworfen wird. Herrlich, so kann es weitergehen!

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