Unsere ersten Wochen in Vanuatu: Tuff tumas!

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-Hervorragend!-

Am 02.07.2014 machten wir uns auf den Weg nach Vanuatu. Ich war schon am Flughafen ueberrascht, wie viele Menschen sich vor unserem Schalter angestellt hatten – die wollen alle mit uns auf die “einsame” Insel reisen? Aber wie das so mit Vorurteilen ist, sind sie dafuer da, um ueber den Haufen geworfen zu werden. Und genau das ist in unseren ersten Wochen hier zur Genuege geschehen. Zeit, fuer ein paar Eindruecke von der (gar nicht so einsamen) Insel.

Port Vila, Hauptstadt von Vanuatu. Das klingt doch irgendwie nach etwas. Tatsaechlich sind es bei grosszuegiger Zaehlung nur etwa 2 1/2 ernstzunehmende Strassen zwischen Lagune und Dschungel, eher Dorf denn Stadt, von einer Haupt-Stadt ganz zu schweigen. Wie uns unsere Chefin glaubhaft versichert hat, ist es fuer viele der  Studierenden, die aus dem gesamten Pazifik-Raum nach Port Vila an die Universitaet des Suedpazifik (USP) kommen, jedoch vergleichbar mit und ebenso aufregend wie New York. Fuer uns Neuankoemmlinge ist ohnehin erst einmal alles spannend und bestauenswert.

Die Farben! Als an einem der ersten Tage zum ersten Mal puenktlich zum Fruehstueck auf der Hostel-Veranda der Himmel aufklarte und die Sonne die Lagune ploetzlich in den schoensten tuerkis-gruen-blauen Toenen erstrahlen liess, war das tatsaechlich nichts weniger als atemberaubend. Dazu immer der dichte, in tausend Gruentoenen schattierte Dschungel, der direkt hinter der letzten Bebauung beginnt… Schade, dass man diese Eindruecke nicht konservieren und an betongrauen Berliner Herbst- und Wintertagen mal wieder hervorholen kann!

Die Geraeusche! Still ist es hier nie. Gerade in den ersten Naechte sind wir oft von irgendeinem neuen Geraeusch geweckt worden. Die Geckos hier bringen ein ziemlich lautes Schnalz-Geraeusch zustande; in Anbetracht ihrer Koerpergroesse von gerade mal um die 10 cm sogar so laut, dass wir sie zunaechst als Urheber gar nicht in Verdacht hatten. Direkt neben unserem Bungalow wohnte zudem ein Hahn. Es muss sich allerdings um eine europaeische Rasse gehandelt haben, denn seine innere Uhr war eindeutig nicht auf Vanuatu eingestellt… In das naechtliche Konzert mischen sich zudem Zikaden und eine Vielzahl an Hunden. Tagsueber knattern die vielen Mini-Vans durch die Strassen, die einen fuer kleines Geld vom Fahrbahnrand aufsammeln und, keinem festen Fahrplan folgend, irgendwann am gewuenschten Ziel absetzen. Zudem hoert man viel Gelaechter und, insbesondere waehrend der Weltmeisterschaft, begeisterten Jubel, ganz egal, welches Team gerade gewonnen hatte.

Die Wassermassen! Wir sind zwar ausserhalb der Zyklon- und Regenzeit hier, allerdings  hatten wir das Vergnuegen, gleich in unserer ersten Woche einen Eindruck davon zu bekommen, wie es dann hier sein koennte. In einem Wort: Nass. Und zwar alles. Gewaschene Kleidung wird nun auch im sicheren Unterstand aufgehaengt nicht mehr trocken und auch in der Wohnung werden die Sachen langsam feucht. Papier, Leder, Stoff – alles, was irgendwie im Stande ist, Feuchtigkeit aufzusaugen, wird dies untertaenigst tun. Und im schlimmsten Falle dann sogar anfangen  zu schimmeln. Die Haare kleben klamm am Kopf, jede Bewegung wird aufgrund der Luftfeuchtigkeit (bei gleichbleibend hoher Temperatur wohlgemerkt) doppelt so anstrengend. Das Gefuehl, dass im heissen Sommer ein erfrischender Regenschauer Kuehle bringt und von drueckender Schwuele befreit, bleibt hier komplett aus. Nur der Regen, der bleibt.

Der Markt! Es gibt einen sogenannten Mamas Market in einer offenen Halle unten am Wasser, der von Montag bis Samstag rund um die Uhr geoeffnet ist. Und was es dort nicht alles gibt! Wir haben laengst noch nicht alles probiert oder koennen auch nur benennen, was es dort zu kaufen gibt. Kokosnuesse, Papayas, kleine, suesse Bananen, Pak Choi, der sogenannte Island Cabbage… Alles frisch, alles bio, denn anders kennen sie es hier gar nicht. Wir werden uns also weiter durchtesten, wobei eines jetzt schon klar ist: Es geht nichts ueber frisches Kokosnusswasser! Grandios! Optional kann man zu fortgeschrittener Stunde auch ein bisschen Rum hinzugeben…

Ein Erdbeben! Morten haette es fast verschlafen, aber da ihm dieses Lebensereignis nicht entgehen sollte, habe ich ihn natuerlich geweckt. Mit 6,3 auf der Richterskala hatte es eine Staerke, die hier in der Gegend wohl eher selten ist. Das darf auch gerne so bleiben, denn ehrlich gesagt fiel mir in den vielleicht 20 – 30 Sekunden, die das ganze dauerte, auch gar nicht mehr ein, welche Verhaltensregeln bei einem Erdbeben eigentlich gelten. In den Tuerrahmen stellen oder das eben gerade auf keinen Fall? Unter den Tisch kriechen oder direkt ins Freie laufen? Ich werde das bei Gelegenheit recherchieren. In der Zwischenzeit gab es aber schon wieder ein Erdbeben, dieses mal weniger stark. Ich hab es jedenfalls verschlafen.

Unsere ersten Wochen hier waren wunderschoen und viele Ueberlegungen beziehungsweise Befuerchtungen haben sich nicht bewahrheitet. Wir werden uns nicht nur von Reis und Gemuese ernaehren muessen, so viel steht fest. Auch wenn in den Supermaerkten einiges, insbesondere natuerlich alles, was nicht auf der Insel selbst prodzuiert werden kann und also importiert werden muss (also fast alles), teuerer ist, als wir es aus Discounter-Deutschland gewohnt sind: Es gibt einen Supermarkt! Das ist doch schon was. Und auch die Bevorratung mit einigen ach-so-essentiellen Drogerieartikeln war eher ueberfluessig. Wir hatten kurz vor unserem Abflug aus Berlin noch eine Geschichte gehoert, derzufolge vor ein paar Jahren auf Vanuatu fuer einen guten Monat kein Toilettenpapier zu bekommen war. Als dann eines Morgens beim Fruehstueck ein grosser LKW mit zig Rollen Toilettenpapier beladen an unserem Hostel vorbeifuhr, mussten wir kurz schmunzeln.

Die Schoenheit der Insel selbst laesst sich mit Worten kaum beschreiben und ohnehin sind dafuer die Bilder auf dieser Seite viel besser geeignet. Viel weiter weg von Berlin koennte man – in jeder Hinsicht – nicht sein. Zuallererst aber waren es nette Begegnungen mit den Ni-Vans (so werden die Einwohner Vanuatus genannt), die uns das Ankommen leicht gemacht haben. Gespraechsthema Nummer eins auf so mancher Busfahrt: Die Weltmeisterschaft! Gaebe es einen Pokal fuer die besten Fans, die Ni-Vans haetten ihn sich verdient. Zum Spiel Deutschland gegen Frankreich machten wir uns auf den Weg zum Public Viewing. Das Spiel lief hier um 03.00 Uhr nachts, wir rechneten also nicht damit, viel Gesellschaft zu haben und hatten uns, ehrlich gesagt, schon darauf eingestellt, dass um diese Zeit dort vielleicht gar kein Spiel gezeigt werden wuerde und wir uns mit einem Internetstream wuerden begnuegen muessen. Weit gefehlt. Die Grasflaeche gegenueber dem Parlaments, auf der der grosse Bildschirm aufgestellt war, war mit mehreren hundert Menschen gut gefuellt und die Leute in bester Stimmung, trotz der eher ungemuetlichen Uhrzeit. Es gab einige Frankreich-Flaggen, was eher nicht verwunderlich ist, da Vanuatu ehemals franzoesisch-britisches Territorium war. Zudem wurden aber eifrig Deutschland-Flaggen geschwenkt und die Spielzuege enthusiastisch kommentiert. Von dem Autokorso nach dem Weltmeisterschaftssieg zeugt schon ein Instagram-Bild. Fussball einfach um des Spieles wegen, das ist doch mal eine auf das Wesentliche beschraenkte Fan-Kultur.

Mittlerweile sind wir aus unserem kleinen Bungalow aus- und in das Haus von Ben und Gaga, das wir fuer die beiden hueten, waehrend sie auf Europa-Heimaturlaub sind, eingezogen. Wir haben einen Garten mit einem Pampelmusen- und einem Maracuja-Baum und (noch viel besser!) einen Hund (Swing) und eine Katze (Jazz). Und dank Tim, einem amerikanischen Peace-Corps-Freiwilligen, sind wir zu einer richtigen WG geworden. Das Insel-Leben meint es gut mit uns.

Wir haben aber auch noch viel vor. Heute wurden mit dem Kinder-Tag (auf Bislama: Pikinini Day) bereits die Feierlichkeiten zum Unabhaengigkeitstag am 30. Juli eingelaeutet, naechste Woche werden wir das erste Mal direkt auf “unsere” Studenten an der Uni losgelassen und wir planen, vielleicht doch noch ein wenig Insel-Hopping zu betreiben.

Mehr im naechsten Ferntelegramm.

Bis dahin viele Gruesse von der Insel!

3 Kommentare

  1. Es macht wirklich Spaß eure Eindrücke teilen zu können. Es klingt nicht nur traumhaft, es sieht auch noch so aus.
    Ich freue mich jedenfalls, dass ihr scheinbar toll aufgenommen worden seid und bin gespannt auf neue Bilder und weitere Ferntelegramme!
    Liebe Grüße vom etwas anderen Ende der Welt

  2. Lieber Morten und liebe Elli!
    Seid herzlich gegrüßt aus dem wilden Süden im sonnigen Deutschland! Die Sommerferien haben nun auch in Ba-Wü begonnen und wir freuen uns über die Sonne zwischen den Wolken. ;-) )) Wo ihr seid, da ist ja offensichtlich das Paradies!! Herrliche Bilder!! Habt eine gute Zeit, viele schöne Erlebnisse und unvergessliche Erfahrungen, das wünsche ich euch da unten auf der anderen Seite der Welt.
    Liebe Grüße, herzlichst Christine.

  3. Ihr seid zu beneiden! Ich freu mich so für euch, dass es euch offensichtlich gut geht. Toll, dass man von euch hören u. sehen kann – auch per skype! Bis zum nächsten Mal…ein schönes Inselleben muuuuaaaahhhhh

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