Up, up… and here!

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Unsere Reise nach Vanuatu startet mit einer Reise nach Sydney, welche ihrerseits mit einer Reise nach Wien startete. Das ist ohnehin die beste Art, jede längere Reise zu starten: Man übt mit einer kleinen. Wir hatten uns damals bewusst entschieden, nicht nur kurz in Wien umzusteigen, sondern die Flüge so zu takten, dass wir einen ganzen Tag Zeit haben würde.

Apropos Zeit: Diese eine Woche nach unserem Examen ist wie im Flug vergangen. Wir hatten zwar versucht, schon so viel wie möglich der Reisevorbereitungen vorab zu erledigen, aber einiges war natürlich immer noch zu tun. Letzte Besorgungen und Einkäufe (Badehose, Mitbringsel für die Ni-Vanuatu-Kinder), die Wohnung musste Untervermieter-bereit gemacht werden, vor allem aber haben wir Besuch von sehr lieben Menschen bekommen: Eine sehr gute Freundin, die sich für mindestens ein, vielleicht sogar aber zwei Jahre nach Los Angeles verabschiedet hat und sehr vermisst werden wird, und Mortens Eltern, die heimlich sogar einen Tag früher nach Berlin gereist waren als angekündigt, uns aber in unseren Vorbereitungen nicht stören wollten (und wir sie ihrerseits auch nicht beim Hochzeitstag-Feiern hätten stören wollen). Irgendwie fühlte sich das Abschiednehmen anders an, als bei anderen Reisen zuvor. Wir würden vielleicht nicht länger weg sein, als wir es bisher schon waren, aber doch weiter. Und in unbekannteren Gefilden.

Am Montag war es dann aber so weit: Eine Woche nach unserem Examen standen wir mit gepackten Koffern am Tegeler Flughafen, fragten uns, ob wir alles dabei hatten (was in Hinblick auf Elli, die ihren Führerschein in ihrer “Wichtige-Mappe”-Mappe vergessen hat, mit “Nein” beantwortet werden muss), und freuten uns auf Alles, was da kommen möge.

Nur 1 1/2 Stunden später in Wien, freuten wir uns noch immer, konnten es aber gleichzeitig kaum fassen. So sauber! So ordentlich! Keine offensichtlich verrückten Menschen! Wie machen die das bloß? Bei strahlendem Sonnenschein wandelten wir umher und ließen diese wunderschöne, aus der Zeit gefallene Stadt auf uns wirken. Ich war vor Jahren ein Mal in Wien, hatte aber vergessen, welche Herrschaftlichkeit die Straßen und Plätze auszustrahlen vermögen. Für Morten gab es das obligatorische Wiener Schnitzel (übrigens dort aus Schwein und nicht aus Kalb), wir tranken ein gutes Gösser-Radler (neuerdings für die Berliner auch beim Späti eures Vetrauens erhältlich) und ließen uns probeweise schon einmal von den Mücken im Volkspark zerstechen. Ein voller Erfolg, würde ich sagen.

Was folgte, waren zwei weitere, zehnstündige Flüge, was nur denjenigen nicht erwähnenswert scheint, die nicht seit neuestem eine anlasslose Flugangst entwickelt haben. Allen anderen sei gesagt: Thai Airways macht großzügige, leckere Gin Tonics mit dem guten Bombay Sapphire. “Her” ist übrigens ein sehr empfehlenswerter Film und der Flughafen in Bangkok fließt vor Orchideen quasi über.

Up, up …and here: Sydney! Allein der Anflug im Morgengrauen war wunderschön. Die Wolkendecke war – so pathetisch es klingt, war es auch – über der Stadt aufgerissen und ließ das Wasser und die Gebäude in dem schönsten Licht glänzen. Das fing ja gut an. Mit dem Zug ging es dann in die Stadt, genauer gesagt nach Newtown, wo unsere AirBnb-Unterkunft liegt. Newtown hat sehr viel Kreuzberger Charme, ein bunter Kultur-Schmelztopf, angereichert mit zahlreichen Bars, Restaurants und Cafés, Secondhand-Läden und Bio-Supermärkten. In einigen Kategorien ist Kreuzberg allerdings unübertroffen: Dreck (insbesondere Hundehaufen), offensichtlich völlig verrückte Menschen, die auf der Straße unterwegs sind, und die Anzahl an Obdachlosen im Straßenbild. Kreuzberg: 3123 – Sydney: NULL! Da stimmt doch etwas nicht. Auch unsere erste AirBnb-Erfahrung ist bisher spektakulär unspektakulär verlaufen. Wir wohnen bei einer älteren, leicht Esoterik-inspirierten netten Frau, die gerade ihre New-York-Reise für die Vorstellung eines auf Bali verlegten Buchs per Crowd-Funding finanziert. Ah ja. So macht man das also. Überhaupt scheint der “Sydneysider” ein eher entspannter Mensch zu sein. Heute gegen halb fünf wurde der Pub von Anzugträgern auf Feierabend-Mission quasi geflutet. Die Work-beer-balance scheint zu stimmen.

Der erste Riss in der perfekten Fassade tat sich heute nachmittag auf, als wir mit einem Wachmann eines größeren Bauprojekts am Hafen ins Gespräch kamen und ihn nach den Protestplakaten fragten, die an den älteren Häusern ringsum hingen. Die Häuser in Millers Point sind Sozialwohnungen, die ein einziges Problem haben: Sie haben einen wunderschönen Blick über das Wasser und liegen sehr zentral, was sie natürlich für Käufer und Spekulanten hochinteressant macht. Eben deshalb plant die Stadt auch den Verkauf der dortigen Häuser, was die Anwohner, die dann “relocated” werden sollen, wie es so schön heisst, verständlicherweise nicht eben begeistert. Wir konnten ihm noch voll frischen Stolzes die Geschichte des gewonnenen Volksentscheides über das Tempelhofer Feld erzählen, die ja schließlich auch davon handelt, wie Bürger über das Gesicht ihrer Stadt mitbestimmen, wenngleich das Problem mangelnder Sozialwohnungen natürlich geblieben ist. Wie die Geschichte für die Anwohner von Millers Point ausgeht, bleibt abzuwarten. Für Sonntag ist die nächste Kundgebung geplant.

Ansonsten haben wir unseren Jetlag nach knackigen 16 1/2 Stunden Schlaf zwar überwunden, schlagen uns aber gerade die Nacht um die Ohren, um das Spiel Deutschland – USA sehen zu können. In einer halben Stunde ist Anpfiff, dann ist es bei uns gerade zwei Uhr nachts. Aber dafür wurde die Wartezeit produktiv mit dem Verfassen dieses Blog-Eintrags überbrückt, tagsüber kommt man ja zu nichts.

Morgen geht es – nach einem bestimmt eher späten Frühstück – dann wieder auf zu neuen Eindrücken.

Gute Nacht!

3 Kommentare

  1. Hallo ihr beiden, das ist ja toll, dass man so direkt teilhaben kann. Bitte fleißig weiter schreiben. Freu mich drauf und wünsche euch eine tolle Reise mit vielen neuen Eindrücken und netten Bekanntschaften. Liebe Grüße aus LG. C.W.

  2. Hallo liebe Elena und Morten,ich habe eben mit großem Interesse Euren ersten Bericht gelesen und freue mich über weitere.Ich wünsche Euch noch eine wunderschöne Reise und viel Spaß.
    Alles Liebe und viele Grüße aus Hamburg
    Sendet Conny

  3. Hier nun eine Meldung aus Breiholz: Zeugnisse fertig, deshalb viel Zeit, eure Berichte zu lesen. Also her damit! Ich denke an euch, wie schön muss das alles sein! Ihr habt es verdient! Gruß

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